Feedback auf schriftliche und mündliche Prüfungen

Neben formativem Feedback in prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen können Lehrende auch in nicht prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen mit summativen Abschlussprüfungen Feedback auf studentische Leistungen geben, das über die bloße Note hinausgeht. Den Studierenden dienen Prüfungen u.a. der Leistungsbestätigung und geben ihnen eine Rückmeldung über ihren Leistungsstand. Prüfungen steuern das Lernen der Studierenden[1] und sind somit ein wichtiger didaktischer Bestandteil des Lernprozesses. (Differenziertes) Feedback ermöglicht es den Studierenden, die Beurteilung ihrer Leistungen sowie die dafür verwendeten Kriterien besser zu verstehen und daraus Schlüsse für ihr künftiges Lernen zu ziehen. Auch für Lehrende haben Prüfungen und Prüfungsleistungen eine Feedbackfunktion. Anhand der Prüfungsleistungen können Lehrende ableiten, welche Inhalte gut und welche weniger gut begriffen wurden, und so ihre Lehre danach ausrichten[2].

1. Feedback auf schriftliche Prüfungen

1.1. Feedback während der Prüfungseinsicht

Konstruktives Feedback bei schriftlichen Prüfungen (dazu zählen auch Multiple-Choice-Prüfungen), das über die Rückmeldung der Note hinausgeht, erfolgt häufig im Rahmen der Prüfungseinsicht bzw. Prüfungsnachbereitung (in der Sprechstunde). Studierende haben dabei das Recht auf Einsicht in die Prüfungsprotokolle bzw. Prüfungsbögen und dürfen davon Kopien anfertigen. Von diesem Recht auf Vervielfältigung sind Multiple Choice-Fragen inklusive der jeweiligen Antwortmöglichkeiten ausgenommen.[3]

Während der Prüfungseinsicht sollen die Studierenden die Möglichkeit haben, sich ein differenziertes Bild über ihre erbrachten Leistungen und die geforderten Kriterien zu machen. Die eigenen Stärken und Schwächen sollen ableitbar sein, mit dem Ziel, dass sie zukünftige Prüfungen besser meistern können.[4] Dafür sind schon vorhandene Musterlösungen und Beurteilungskriterien, die bereits für das Beurteilen der Antworten für die jeweiligen Prüfungsfragen entstanden sind, hilfreich. Musterlösungen ermöglichen es den Studierenden, die korrekten Antworten zu sehen und dadurch die eigenen Leistungen besser einzuschätzen. Die richtige Lösung zu sehen ist als Feedback effektiver als nur die eigenen Fehler aufgelistet zu bekommen.[5]

Für die Lehrenden kann das Verwenden von Musterlösungen und Beurteilungskriterien zur effizienten und transparenten Gestaltung der Prüfungseinsicht beitragen. Nicht zuletzt stellen Musterlösungen und vorab definierte Beurteilungskriterien eine nützliche Argumentationshilfe bei möglichen Einsprüchen dar. Darüber hinaus können Lehrende Feedback auch dazu nutzen, um Studierenden über die individuelle Lehrveranstaltung hinausreichende Hinweise (in Bezug auf das weitere Studium, oder fachliche Fragen) zu geben. Die Prüfungseinsicht kann auch dazu genutzt werden, um Hinweise zum Stand der individuellen Leistung im Vergleich zu Leistungen der Gesamtgruppe zu geben.

1.2. Zusammengefasstes Feedback (unabhängig von der Prüfungseinsicht möglich)

Ein differenzierteres Feedback als die Note selbst ist für die Studierenden auch dann hilfreich, wenn sie nicht in die Prüfungseinsicht kommen. Die Rückmeldung der erreichten Prozente bzw. der Punktezahl im Zusammenhang mit dem Notenschlüssel ermöglicht den Studierenden ein besseres Einordnen der eigenen Leistung („Wie weit bin ich von der nächstbesseren oder -schlechteren Note entfernt?“). Gerade der für die Studierenden schwer einschätzbare Bereich unterhalb der Bestehensgrenze wird dadurch transparenter („Wie eindeutig ist mein Nicht genügend?“, „Wie viel fehlt mir auf eine positive Benotung?“). Nachdem Feedback das studentische Lernen vor allem dann unterstützt, wenn es aufgabenbezogen, verbesserungsorientiert und zeitgerecht ist, stellt die Rückmeldung einer schlechten Note ohne weitere Informationen keine optimale Vorgehensweise dar.[6]

Eine weitere Möglichkeit stellt zusammengefasstes Feedback auf generischer Ebene dar. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Veröffentlichung „typischer Fehler“ oder einzelner beispielhafter Prüfungsfragen mit Musterlösung und Beurteilungsschemata sowie weiteren Erläuterungen im Moodle-Kurs zur Lehrveranstaltung.

Ein Spezialfall für Feedback stellt die Online-Prüfungseinsicht bei Multiple-Choice-Prüfungen mit Offlinetests in Moodle dar (detaillierte Informationen zur Multiple-Choice-Prüfungen mit Moodle: https://offline-tests.univie.ac.at/). Hier ist eine abgestufte automatische Online-Prüfungseinsicht für Studierende möglich. Lehrende können entscheiden, was sie rückmelden möchten, wobei die Möglichkeiten von der erreichten Punktezahl bis hin zur gesamten individuellen Prüfung inklusive der richtigen Antworten reichen.

Eine differenzierte Online-Rückmeldung der Prüfungsleistung kann nicht nur motivierend und lernfördernd für die Studierenden sein, bisweilen kann so auch der Zeitaufwand für Prüfungseinsichten für Lehrende reduziert werden, da viele Studierende die sie interessierenden Informationen bereits ohne klassische Prüfungseinsicht erhalten haben.

2. Feedback auf mündliche Prüfungen

Da das Ergebnis der mündlichen Prüfung unmittelbar nach dem Ende der Prüfung bekannt zu geben ist, bietet sich ein über die Bekanntgabe der Note hinaus gehendes sofortiges Feedback über die erbrachte Leistung an. Direktes individuelles Feedback bei mündlichen Prüfungen ist zeitsparend und ermöglicht den unmittelbaren Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden. Letztere können rückfragen, einzelne Punkte klären und vertiefende Fragen stellen. Schon vor der Prüfung ausgearbeitete Musterlösungen und Beurteilungskriterien, die in der Regel nicht so detailliert sind wie für schriftliche Prüfungen, sind hier ebenfalls hilfreich.

Bei einer negativen Beurteilung einer mündlichen Prüfung sind den Studierenden die Gründe dafür zu erläutern, sowie auf Antrag auch schriftlich mitzuteilen.[7] Die Erläuterung der Gründe kann mit einem konstruktiven Feedback verbunden werden und gerade Studierende mit einer negativen Beurteilung können davon sehr profitieren.

Ein respektvoller, wertschätzender Umgang in einer möglichst angstfreien Atmosphäre stellt eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen mündlichen Feedbacks direkt nach einer Prüfungssituation oder bei einer persönlichen Prüfungseinsicht bzw. Prüfungsnachbereitung dar. Die Ungleichheit, die auf der Fachebene zweifellos gegeben ist, sollte auf der Beziehungsebene ausgeglichen werden, um das Feedback für die Studierenden leichter annehmbar zu machen.[8]

 

Quellen

[1]  Cilliers, Francois J., Lambert W. Schuwirth, Hanelie J. Adendorff, Nicoline Herman, und Cees P. van der Vleuten. „The mechanism of impact of summative assessment on medical students’ learning“. Advances in Health Sciences Education 15, Nr. 5 (2010): 695–715. doi:10.1007/s10459-010-9232-9.

[2] Walzik, Sebastian. Kompetenzorientiert prüfen. Leistungsbewertung an der Hochschule in Theorie und Praxis. Opladen u.a.: Barbara Budrich UTB, 2012.

[3] Studienpräses der Universität Wien. „Checkliste für LehrveranstaltungsleiterInnen und PrüferInnen für schriftliche nicht-prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen (npi-LV)“. Siehe https://studienpraeses.univie.ac.at/.

[4] Metzger Charlotte, und Christoph Nüesch. Fair prüfen. Ein Qualitätsleitfaden für Prüfende an Hochschulen. St. Gallen: Institut für Wirtschaftspädagogik, 2004.

[5] Bücker, Susann, Meike Deimling, Janina Durduman, Julia Holzhäuser, Sophie Schnieders, Maria Tietze, Sharmina Sayeed, und Michael Schneider. „Prüfung“. In Gute Hochschullehre: Eine evidenzbasierte Orientierungshilfe : Wie man Vorlesungen, Seminare und Projekte effektiv gestaltet, herausgegeben von Michael Schneider und Maida Mustafić, 119–152. Berlin, Heidelberg: Springer, 2015 (E-Ressource Universität Wien).

[6] Ebd.

[7] Studienpräses der Universität Wien. „Checkliste für LehrveranstaltungsleiterInnen und PrüferInnen für mündliche nicht-prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen (npi-LV )“. Siehe https://studienpraeses.univie.ac.at/

[8] Walzik, Kompetenzorientiert prüfen [2].