Blended Learning

Mai 2019

1. Blended Learning an der Universität Wien

Blended Learning (auch hybrides oder gemischtes Lernen genannt) bezeichnet die Verbindung von Präsenzlehre und digitaler Lehre bzw. die Einbindung digitaler Medien in analoge Vorgehensweisen in der Lehre.

Durch seine Variationsvielfalt bietet Blended Learning eine Reihe an didaktischen Entfaltungsmöglichkeiten. An der Universität Wien ist es unter dem Begriff E-Learning in Form von internetgestützter und digitaler Lehre schon seit vielen Jahren in Verwendung. Häufig wird Blended Learning eingesetzt, um besonders herausfordernde Rahmenbedingungen auszugleichen, beispielsweise in Großlehrveranstaltungen, wo ohne den Einsatz digitaler Medien viele analoge Lehr-/Lernformate an ihre Grenzen stoßen würden.[1]

E-Learning als reine Online-Lehre, die ohne Präsenzeinheiten auskommt, wird im Regellehrbetrieb nicht angeboten. Jedoch gibt es bereits Lehrveranstaltungskonzepte, welche sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs) in die Lehre einbinden. Beispielsweise werden in manchen prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen zur Erweiterung der digitalen Kompetenz von Lehramtsstudierenden Module eines Medienkompetenz-MOOCs eingesetzt (MeKo-MOOC).

 

 

In der Kombination von Online- und Präsenzlernen, wie in der Grafik dargestellt, sollen vor allem die Vorzüge der beiden Lernformen genutzt und deren Nachteile reduziert werden. Bei einem gelungenen (medien-)didaktischen Design kann Blended Learning Lern-, Kooperations- und Kommunikationsprozesse unterstützen und begleiten.

An der Universität Wien wird die Umsetzung von Blended Learning von verschiedenen Stellen unterstützt:

2. Vorteile für Studierende

Blended Learning bietet einen zusätzlichen (virtuellen) Raum und somit folgende Möglichkeiten:

  • Blended Learning kann Studierende zur aktiven Teilnahme auch außerhalb der Präsenzzeit anregen.
  • Es erweitert das Spektrum unterschiedlicher Lernwege für Studierende. Sie können durch Zusatzangebote in der Online-Lernumgebung (Aufgaben, Quiz, Selbstüberprüfungen, Forumsdiskussionen u.Ä.) die eigenen Lernergebnisse positiv beeinflussen.[2]
  • Studierende werden in ihrer Selbstbestimmung des Lernens gefördert. Sie können beispielsweise zeit- und ortsunabhängig lernen (siehe Diversitätsgerechte Lehre), was insbesondere berufstätigen oder betreuungspflichtigen Studierenden sowie Studierenden mit Beeinträchtigungen zugutekommt.
  • Das Wahrnehmen der Eigenverantwortung für den Lernprozess wird gefördert. Studierende werden angeregt, sich auch außerhalb der Präsenzzeiten mit den Lehrveranstaltungs-Inhalten zu beschäftigen und kontinuierlich mitzulernen, womit sie ausgeprägtem Prüfungsstress zu Semesterende vorbeugen.
  • Die Einbindung digitaler Medien in der Lehre kann dazu beitragen, heterogene Wissensstände unter den Studierenden auszugleichen, da sie dadurch dem eigenen individuellen Lernrhythmus folgen können.

3. Gestaltung in der Lehre

Auch die traditionelle Präsenzlehre kann durch die Integration digitaler Medien neue Impulse erhalten. Im Blended Learning ist es von Bedeutung, dass Lehrende bereits in der Planung einer Lehrveranstaltung Online-Elemente im Selbststudium und Präsenzeinheiten sinnvoll miteinander kombinieren.

Wenn klassische Wissensvermittlungsprozesse eines Vortrags durch ein digitales Selbstlernangebot ersetzt werden, kann die Präsenzzeit für interaktive Verstehensprozesse und Vertiefungen genutzt werden (siehe Flipped Classroom).

Wenn Lehrende aktivierende Elemente („eTivities“[3]) wie Online-Aufgaben, Anregungen, oder Austausch einsetzen, erleichtert dies den Studierenden, Verbindlichkeit zur Lehrveranstaltung zu entwickeln und kontinuierlich mitzulernen und mitzudenken. Beim Umstellen auf eine besonders aktivierende und fordernde Lehrgestaltung benötigen Studierende erfahrungsgemäß etwas Zeit, sich an die neuen Anforderungen zu gewöhnen (siehe Flipped Classroom).

4. Vorteile für Lehrende

  • Rasch nutzbar: Die Anmeldung einer Blended-Learning-Lehrveranstaltung auf Moodle erfolgt über das Lehrenden-Interface auf u:space innerhalb der jeweiligen Lehrveranstaltung.
  • Schnell erlernbar: Informationen zu Kursen und Beratungen für Moodle und digitale Lehre finden Sie am CTL bzw. ZID. Selbstlernmaterialien zu Moodle finden Sie unter: Moodle-Anleitungen des ZID, AMC Cheat Sheets, Moodle-Tutorial (mittels Selbsteinschreibung) sowie auf der Schulungsinstanz.
  • Flexibel einsetzbar: Auf Moodle können Sie u.a. Lehrmaterialien, Video- und Audio-Streams sowie Selbstlernpfade bereitstellen, Studierenden Feedback geben, oder auch virtuelle Gruppenarbeiten durchführen.
  • Vielfältig in den Methoden:  Mit der Verschränkung von Online- und Präsenzphasen steht Ihnen eine Vielzahl an Lehrmethoden zur Verfügung, die stetig durch neue digitale Komponenten und Kommunikationsräume erweitert wird.

5. Umsetzungsebenen von Blended Learning

Neben unterschiedlichen didaktischen Ausprägungen finden sich bei Blended Learning zwei zentrale Umsetzungsebenen. Diese beziehen sich aufeinander und ergänzen einander.

  1. Blended Learning zur Organisation von Wissen und Content (in Form von digitalen Lehr-/ Lernmaterialien)
  2. Blended Learning zur Organisation von Lernprozessen durch Interaktion

5.1. Organisation von Wissen und Content

Der Einsatz von Blended Learning eröffnet Lern- und Kommunikationsräume, die einer didaktisch wohl überlegten Anwendungsplanung und Gewöhnung bedürfen. Sowohl Lehrende als auch Studierende haben in ihrer Sozialisation erfahren, wie man/frau sich in physischen Lehr-/Lernräumen verhält bzw. orientiert. Hörsäle und Seminarräume sind traditionell mit einer Visualisierungswand (in Form von Beamer-Fläche, Tafel, Whiteboard etc.) ausgestattet.[4] Virtuelle Lehr-/Lernräume sind hingegen oft divers strukturiert, sodass sich die Studierenden nur langsam orientieren können. Sie erfahren erst nach und nach, wo sie Informationen finden, in welchem „Ordner“ sich welche Lektüre, Aufgabe o.Ä. verbirgt.

Die räumliche Vielfalt in einem Lernmanagement-System wie Moodle ist groß. Lehrende haben die Möglichkeit, Inhalte sowohl sequenziell (z.B. in Form von Lernpfaden, Lektionen[5] oder Themenblöcken[6]  in Moodle), als auch offen (z.B. in Form von Ordnerstrukturen, Glossaren, Datenbanken, Linklisten etc.) zur Verfügung zu stellen.[7]

Es empfiehlt sich,  die zu vermittelnden Inhalte, so wie in einem Lehrbuch, nach Prinzipien didaktischer Wissensorganisation zu strukturieren, die sowohl Selektion und Reduktion, als auch Darstellung und Aufbereitung,  sowie die Einordnung von Wissensinhalten (zu Orientierungszwecken) berücksichtigt.[8]

5.2. Organisation von Lernprozessen durch Interaktion

Neben Wissensvermittlung unterstützt Blended Learning auch Wissensaneignung durch interaktive Lernprozesse.[9] Durch die zusätzlichen Räume und digitalen Tools von Lernplattformen können Lehrende verschiedene Interaktionen ermöglichen:

  • zwischen Studierenden und Inhalt (z.B. durch online verfügbare Lernmaterialien),
  • zwischen Studierenden und Lehrenden (z.B. durch die Teilnahme an Online-Aktivitäten und Feedback durch Lehrende) und
  • Kommunikation zwischen Studierenden (z.B. für Peer-Feedback oder Ideenaustausch).

Konkrete Werkzeuge der Begleitung von Lernprozessen durch Interaktion sind neben der

  • klassischen Kommunikation (Informationsweitergabe etc.) und Moderation, sowohl in Präsenzeinheiten als auch in Onlinephasen,
  • die Entwicklung von Teams/Gruppen und
  • der Einsatz von Aufgabenstellungen.
5.2.1. Kommunikation und Zusammenarbeit

Indem digitale Werkzeuge (z.B. Foren, Chats, Wikis) die Kommunikation der Studierenden fördern, unterstützen sie aktive, kooperative und dialogische Lernformen. Somit liegt der Fokus der Lehr-/Lernaktivitäten auf den Studierenden, was sie zu verstärkter Zusammenarbeit mit ihren Peers anspornt. Dies unterstützt die Bildung von forschenden Lerngemeinschaften, auch bereits im Bachelorstudium.[10] Die Aufgabe der Lehrperson ist das Informationsmanagement auf der Lernplattform und die zielgruppengerechte Strukturierung der Inhalte.

5.2.2. Entwicklung von Teams

Aspekte der nonverbalen und asynchronen Kommunikation, die für den virtuellen Raum typisch sind, sollten bei der Formierung von Studierendengruppen berücksichtigt werden. Lehrende können Gruppenarbeiten  durch digitale Kooperationswerkzeuge (bspw. Gruppenverwaltung in Moodle[11]) begleiten und somit den Lernprozess beeinflussen.

5.2.3. Aufgabenstellungen

Kleinere Aufgabenstellungen können den kontinuierlichen Lernprozess begleiten und somit die Studierenden in ihrem Lernerfolg fördern. Aufgrund des asynchronen Charakters der Kommunikation im digitalen Raum können Studierende nicht unmittelbar nachfragen. Es ist daher besonders wichtig, dass Aufgabenstellungen (siehe Aufgabenstellungen) klar formuliert sind und Ziele nennen.[12] Handlungsetappen können als Zwischenziele dienen, wenn eine komplexe Aufgabe in mehrere Teilaufgaben aufgesplittet wird.

Weiters empfiehlt es sich, die technische Handhabung zu erklären, um Studierenden den Einstieg in die Arbeit in Moodle zu erleichtern, z.B. „Mit einem Klick auf das Zahnrad können Sie Ihren Beitrag bearbeiten.“

Quellen

[1] Kerres, Michael. (2016): „E-Learning oder Digitalisierung in der Bildung. Neues Label oder neues Paradigma?“ In Grundlagen der Weiterbildung – Praxishilfen. Heft 7.20.10.80. Neuwied: Luchterhand, 2016. S. 159-171. Verfügbar unter https://learninglab.uni-due.de/sites/default/files/GdWB%20elearning-vs-digitalisierung.pdf  [15.05.2019].

[2] Der Einsatz von Blended Learning fördert den Lernerfolg effektiver als reine Präsenzlehre. Siehe Schneider, Michael, und Franzis Preckel. „Variables Associated With Achievement in Higher Education: A Systematic Review of Meta-Analyses“. Psychological Bulletin 143, Nr. 6 (Juni 2017): 565–600, bes. S. 589. dx.doi.org/10.1037/bul0000098; Higher Education Academy, „Blended Learning“, www.heacademy.ac.uk/knowledge-hub/blended-learning  [29.04.2019]; e-teaching.org, „Blended Learning“, www.e-teaching.org/lehrszenarien/blended_learning [29.04.2019].

[3] Gilly Salmon bezeichnet e-Tivities, sogenannte kleine Aktivitätshäppchen (Aufgabenstellungen), als Schlüssel zum Lernerfolg. Die Phasen zwischen den Präsenzeinheiten werden durch kleine, meist kurzweilige virtuelle Aufgabenstellungen (von 5 bis 30 Minuten) angeregt und unterstützen den kontinuierlichen Lernprozess der LernerInnen. Salmon, Gilly. E-Tivities: The Key to Active Online Learning. London: Taylor & Francis, 2002.

[4] Dies betrifft jedoch nicht die neueren didaktischen Konzepte von Lernräumen, wie z.B. das aktive Plenum im Flipped Classroom (siehe  Flipped Classroom).

[5] Siehe Cheat Sheets der AMC: https://www.academic-moodle-cooperation.org/fileadmin/user_upload/p_aec/Cheat_Sheets/Lektion_verwenden-DE.pdf [14.05.2019].

[6] Siehe Cheat Sheets der AMC: https://www.academic-moodle-cooperation.org/fileadmin/user_upload/p_aec/Cheat_Sheets/Kurs_effizient_gestalten_bzw_nutzen-DE.pdf [14.05.2019].

[7] Kerres, Michael. Multimediale und telemediale Lernumgebungen: Konzeption und Entwicklung. 2. Aufl. München, Wien: Oldenbourg, 2001.

[8] Meder, Norbert u. a. Web-Didaktik. Eine neue Didaktik webbasierten, vernetzten Lernens. Bielefeld: Bertelsmann, 2006, S. 51ff.

[9] Dürkop, Axel, und Tina Ladwig. „Neue Formen der Koproduktion von Wissen durch Lehrende und Lernende“. Hamburg: TU Hamburg, 2016. Verfügbar unter: https://doi.org/10.15480/882.1334  [15.05.19]

[10] Cheng, Gary, und Juliana Chau. “Exploring the Relationships between Learning Styles, Online Participation, Learning Achievement and Course Satisfaction: An Empirical Study of a Blended Learning Course.” British Journal of Educational Technology 47, Nr. 2 (2016): 257-278. https://doi.org/10.1111/bjet.12243

[11] Siehe Cheatsheets der AMC: https://www.academic-moodle-cooperation.org/fileadmin/user_upload/p_aec/Cheat_Sheets/Gruppen_erstellen_und_einsetzen-DE.pdf [14.05.2019].

[12] McGonigal, Jane und Martina Gaspar. Besser als die Wirklichkeit! Warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern. München: Heyne, 2012.

Empfohlene Zitierweise

Center for Teaching and Learning: Blended Learning. Infopool besser lehren. Universität Wien, Mai 2019. [https://infopool.univie.ac.at/startseite/lehren-betreuen/blended-learning/]

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