Multiple-Choice-Prüfungen

November 2017

Multiple-Choice-Prüfungen (MC-Prüfungen) sind eine ökonomische Variante von schriftlichen Prüfungen, die automatisiert ausgewertet werden können. In der Regel wird eine Frage/Aufgabe gestellt, für die mehrere Antwortalternativen vorgegeben werden. Die Studierenden müssen sich für die richtige(n) Antwortalternative(n) entscheiden.

1. Aufbau und Formen von Multiple-Choice-Fragen

1.1 Aufbau von MC-Fragen

Ein MC-Item besteht aus einem Aufgabenstamm und mehreren Antwortalternativen. Eine oder mehrere der Antwortalternativen sind richtig. Die falschen Antwortalternativen werden Distraktoren oder „Ablenker“ genannt.[1] „Ablenker“ deshalb, weil es sich dabei nicht einfach nur um falsche Antwortalternativen handeln soll, sondern sie durch ihre Plausibilität von den richtigen Antwortalternativen ablenken sollen, wenn diese nicht sicher gewusst werden. Würde man im unteren Beispiel statt „Zürich, Genf und Basel“ weniger bekannte Schweizer Städte, wie etwa „Gossau, Winterthur und Chur“ als Ablenker vorgeben, wäre die Frage viel leichter zu beantworten. Man könnte die unbekannten Städte einfacher ausschließen.

Beispiel für ein MC-Item:
Die Bundesstadt der Schweiz heißt … (Aufgabenstamm)

Zürich (Distraktor - Ablenker)
Genf (Distraktor - Ablenker)
Bern (korrekte Antwort)
Basel (Distraktor - Ablenker)

1.2 Formen von MC-Fragen

Single-Choice-Items: Es gibt EINE einzige richtige Antwort („Single-Choice“). Alle anderen Antwortmöglichkeiten müssen eindeutig falsch sein.

One-best-Answer-Items: Eine graduelle Abstufung der Korrektheit der Antwortmöglichkeiten kann vorliegen, es muss aber EINE der Antwortmöglichkeiten als die „beste“ identifizierbar sein. One-best-Answer-Items sind eine Spezialform der Single-Choice-Items. Den Studierenden muss dieses Format vor der Prüfung bekannt sein, da man in der Regel von eindeutig richtigen und eindeutig falschen Antwortmöglichkeiten ausgeht.

Multiple-Choice Aufgaben mit Mehrfachauswahl: Eine, zwei oder alle Antworten können richtig sein. Hier müssen die richtigen Antwortmöglichkeiten eindeutig richtig sein und die falschen Antwortmöglichkeiten wiederum eindeutig falsch. Bei diesem Format ist die Ratewahrscheinlichkeit niedriger als bei Single-Choice-Aufgaben. Natürlich dürfen auch bei Prüfungen mit Multiple-Choice-Aufgaben mit Mehrfachauswahl Fragen mit nur einer richtigen Antwortmöglichkeit verwendet werden.

2. Teilpunkte bei Multiple-Choice-Prüfungen mit Mehrfachauswahl

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man nur Punkte für die korrekte Beantwortung aller Antwortalternativen oder auch Teilpunkte für eine teilweise richtige Beantwortung vergeben will. Mit den MC-Offline-Tests mit Moodle ist beides möglich. Die Entscheidung liegt dabei bei den Lehrenden, sofern innerhalb der Fakultät/des Instituts nichts anderes ausgemacht wurde.

Die Vergabe von Teilpunkten ist bei MC-Prüfungen mit Mehrfachauswahl nicht trivial. Eine leicht verständliche Möglichkeit Teilpunkte zu vergeben ist jene, die an der Fakultät für Psychologie verwendet wird. Hier werden innerhalb der korrekten Antwortmöglichkeiten Teilpunkte vergeben, sobald allerdings eine falsche Antwortmöglichkeit angekreuzt wird, bekommt man für die Frage keine Punkte mehr. Wenn ich beispielsweise von zwei richtigen Antwortmöglichkeiten nur eine ankreuze erhalte ich einen halben Punkt, wenn ich die beiden richtigen und zusätzlich eine falsche ankreuze, erhalte ich keinen Punkt. Das Ankreuzen falscher Antwortmöglichkeiten hat somit ein hohes Gewicht und Raten ist mit einem hohen Risiko verbunden.

Eine andere Möglichkeit für die Vergabe von Teilpunkten ist, richtige und falsche Antworten gleich zu gewichten. Für jede falsche Antwortmöglichkeit, die angekreuzt wird, wird so viel abgezogen, wie man für eine richtige Antwortmöglichkeit bekommen würde. Wenn ich beispielsweise bei zwei richtigen Antwortmöglichkeiten die beiden richtigen und zusätzlich eine falsche ankreuze, erhalte ich einen halben Punkt. Das kann bei Prüfungsfragen mit mehr richtigen als falschen Antwortmöglichkeiten allerdings dazu führen, dass man Teilpunkte erhält, wenn alle Antwortmöglichkeiten einer Frage angekreuzt wurden.

Zwischen den vorgestellten Beispielen „Teilpunkte nur innerhalb der richtigen Antwortmöglichkeiten“ und „Richtige und falsche Antworten werden gleich gewichtet“ gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Gewichtung. Wichtig ist jedenfalls, dass den Studierenden transparent gemacht wird, ob und wie die Teilpunkte vergeben werden.

Wenn nur für komplett richtige Prüfungsfragen Punkte vergeben werden sollen, auch „alles oder nichts-Modell“ genannt, erhalten die Studierenden nur dann Punkte, wenn alle richtigen und keine falschen Antwortalternativen angekreuzt sind. Dieses Modell ist für die Prüfenden das einfachste, bei den Geprüften allerdings nicht sehr beliebt.

Wenn das „alles oder Nichts-Modell“ verwendet wird (keine Teilpunkte auf teilrichtige Fragen), ist es für die Studierenden schwieriger Punkte zu erreichen als bei einer Vergabe von Teilpunkten (auch verschiedene Teilpunkteregelungen sind unterschiedlich schwierig). Dieser Umstand sollte beim Festlegen der Bestehensgrenze bzw. beim Erstellen des Notenschlüssels bedacht werden.

3. Multiple-Choice-Prüfungen im Vergleich mit klassischen schriftlichen Prüfungen

Grafik adaptiert aus: Universität Zürich, Hochschuldidaktik A-Z, Multiple-Choice-Prüfungen[2]

Wie man anhand der Grafik 1 der Universität Zürich gut sehen kann, sind MC-Prüfungen klassischen schriftlichen Prüfungen in manchen Gütekriterien überlegen. Durch die automatisierte Auswertung ist eine hohe Objektivität gewährleistet. Die bei „Beurteilen von Prüfungen“ genannten Beurteilungsfehler oder Verzerrungen durch unterschiedliche Auswertende können nicht auftreten. Durch die zumeist höhere Anzahl an Prüfungsfragen erhöht sich auch die Reliabilität (Genauigkeit) der Prüfung. Die Validität (Gültigkeit) der Prüfung wird als gleich gut oder schlechter beurteilt. Das liegt daran, dass je nach Studienziel Faktenwissen sehr gut, höhere kognitive Leistungen bzw. Kompetenzen manchmal nur sehr schwierig bzw. unzureichend geprüft werden können. MC-Prüfungen werden als ökonomischer betrachtet, da die Auswertung weniger aufwändig ist als bei einer klassischen schriftlichen Prüfung. Durch den hohen Aufwand der Fragenkonstruktion ist der ökonomische Effekt, vor allem bei kleineren Prüfungen, nicht so hoch wie oft erwartet wird.

4. Formale Qualitätskriterien

Bei der Konstruktion von MC-Prüfungen sollten eine ganze Reihe von formalen Qualitätskriterien beachtet werden.[3]

Wiedererkennen: Wenn möglich keine kompletten Formulierungen (Textpassagen) aus den Lernunterlagen übernehmen. Das bloße Übernehmen von Textpassagen, Bildern oder Grafiken fördert das Wiedererkennen der richtigen Antwort/Antworten. Obwohl für das Wiedererkennen ein gewisses Maß an Wissen notwendig ist, wird doch hauptsächlich darauf abgezielt, dass die Studierenden Wissen reproduzieren können.

Leicht verständlich: Die MC-Fragen sollten inhaltlich und grammatikalisch immer leicht verständlich sein. Das Wissen und nicht das Leseverständnis soll geprüft werden.

Ökonomie I: Die MC-Fragen so lang wie nötig und so kurz wie möglich halten. Die Bearbeitungszeit für die Studierenden kann dadurch kurz gehalten werden.

Ökonomie II:

Schlechtes Beispiel: Ingeborg Bachmann sagte:
1) Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.
2) Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Bücher nicht.
3) Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Politiker nicht.
4) Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Dichter nicht.

Besseres Beispiel: Ingeborg Bachmann sagte: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die …
1) Waffen nicht.
2) Bücher nicht.
3) Politiker nicht.
4) Dichter nicht.

(richtig ist 1)

Fachausdrücke und Abkürzungen: Fachausdrücke und Abkürzungen nur dann verwenden, wenn sichergestellt ist, dass die Studierenden diese schon gelernt haben. Es soll nur der Stoff geprüft werden, der zur Prüfung gehört. Wenn nicht der Fachausdruck oder die Abkürzung selbst gewusst werden soll, wird der falsche Lerninhalt geprüft.

Lückentextfragen: Lückentexte sind oft schwer verständlich, da man immer den gesamten Satz im Kopf behalten muss, um die Frage beantworten zu können. Wenn Lückentextfragen verwendet werden, am besten so formulieren, dass die Lücke am Ende der Frage steht.

Fangfragen: Keine Fangfragen verwenden, es wird dabei nur das Leseverständnis geprüft.

Humor: Humor nur sehr sparsam verwenden. Humor sollte bei wichtigen Prüfungen nicht zum Einsatz kommen, er kommt in angespannten Situationen nicht bei allen gut an.

Zentrale Aussagen: Zentrale Aussagen wenn möglich schon in den Fragen formulieren. Im Idealfall können Studierende allein auf Grund der Frage die richtige Antwort reproduzieren, bevor sie diese in den dargebotenen Antwortoptionen suchen.

Negationen: Die MC-Fragen, wenn möglich, positiv formulieren. Negationen sind verwirrend und erschweren das Verständnis der Frage. Wenn eine Negation verwendet wird, muss diese speziell und gut sichtbar hervorgehoben werden. Negationen in Prüfungsfragen testen immer auch die Aufmerksamkeit beim Lesen mit.

Doppelte Verneinungen: Keine doppelten Verneinungen verwenden. Doppelte Verneinungen erfordern einen zusätzlichen Denkschritt. Das Gelesene muss in eine „Bejahung“ transformiert werden. Doppelte Verneinungen sind für viele sehr schwer zu verstehen und verwirrend, zudem können sie bei der Konstruktion der MC-Fragen leicht vermieden werden.

Position der Antworten I: Die Position der Antwortalternativen zufällig variieren. Wenn dies nicht mit einem Programm (wie bei Moodle) gemacht werden kann, muss man auch darauf achten, dass die richtigen Antworten mit der gleichen Wahrscheinlichkeit an allen Positionen zu finden sind.

Position der Antworten II: Die Reihenfolge der Antworten einhalten, wenn diese logisch vorgegeben ist. Wenn die Antwortalternativen beispielsweise „10“, „100“, „1000“ usw. sind, sollte der aufsteigende Charakter beibehalten und die Antworten nicht zufällig gemischt werden.

Länge der Antworten: Die Antwortalternativen sollten möglichst gleich lang sein. Im Zweifel ist oft die längste Antwort die Richtige, weil diese schön ausformuliert ist und eindeutig richtig sein muss.

Plausible Antworten: Alle möglichen Antwortalternativen sollten plausibel sein und zusammenpassen. Unplausible Antworten werden von den Studierenden als solche erkannt. Dafür ist nur eine geringe Fähigkeit vonnöten.

Wortwiederholungen: Zentrale Begriffe aus der Frage nicht alleine in den richtigen Antwortalternativen wiederholen. Ansonsten kann das von den Studierenden als Lösungshinweis erkannt werden.

Absolut-Aussagen: Absolut-Aussagen wie „immer“, „nie“ oder „vollkommen“ vermeiden. Derartige Beschreibungen deuten zumeist auf eine falsche Antwortalternative hin. In der Praxis sind Absolut-Aussagen nur selten möglich.

Grammatik: Die Antworten müssen grammatikalisch zur Frage passen.

Unabhängigkeit: Die Antwortalternativen so formulieren, dass sie voneinander unabhängig sind. Jede Antwortalternative muss unabhängig von den anderen Antwortalternativen bewertet werden können. Die einzelnen Fragen des Tests sollten sich auch nicht aufeinander beziehen.

Viele der oben genannten Qualitätskriterien sind vor allem als Hinweise, die man im Hinterkopf behalten sollte, zu betrachten. So ist beispielsweise immer zu beachten, dass die Antwortmöglichkeiten und die Frage grammatikalisch zusammenpassen, ob hingegen Absolut-Aussagen nicht doch manchmal angemessen sind, kann nur im Zusammenhang mit der konkreten Frage entschieden werden.

5. Versteckte Lösungshinweise (Cueing)

Die Zweckmäßigkeit jeder Prüfung und die Güte bzw. die Zuverlässigkeit der abgeleiteten Konsequenzen (Noten, Zugangsberechtigung) steht und fällt mit der Qualität der Prüfungsaufgaben. Ein Aspekt, der hier zu beachten ist, ist die so genannte Test-Wiseness (Testweisheit/Testerfahrung) der Studierenden. Millman, Bishop und Ebel definierten Test-Wiseness “…as a subject’s capacity to utilize the characteristics and formats of the test and/or the test taking situation to receive a high score. Test-wiseness is logically independent of the examinee’s knowledge of the subject matter for which the items are supposedly measures.” [4]

Studierende, die schon Erfahrung mit MC-Tests haben, können aus der Frage und aus den Antwortalternativen verschiedene Lösungshinweise ableiten (Cueing). So können beispielsweise unwahrscheinliche Antwortalternativen ausgeschlossen werden oder es kann auf Grund der Fragestellung auf die richtigen Antworten geschlossen werden. Lösungshinweise führen die Studierenden natürlich nicht immer zu den richtigen Antworten, aber die Wahrscheinlichkeit, die richtige Antwort zu finden, steigt durch sie an. Gerade für das Bearbeiten von MC-Fragen sind im Internet zudem zahlreiche Ratgeber für Studierende zu finden.

In jedem der folgenden Beispiele können mehr oder weniger eindeutige Lösungshinweise abgeleitet werden. Lösungshinweise sind nicht nur Hinweise, die es erlauben eine Frage richtig zu beantworten. Es genügt schon, wenn eine oder mehrere falsche Antwortalternativen ausgeschlossen werden können.

Wortwiederholung

Wie lautet das korrekte Panterpis zu grönholfs Zitel?
1) mik giehl Zem
2) mik Zitel vas
3) mikken Nert
4) vas Nert giehl

Testerfahrene Studierende sollten hier die Antwort 2 wählen. Obwohl die Frage und die Antwortmöglichkeiten ohne Sinn sind, kann man nach einem Wort suchen, das sowohl in der Frage als auch in einer der möglichen Antwortalternativen vorkommt. „Zitel“ kommt auch in der Frage vor und wäre sicherheitshalber am ehesten anzukreuzen, wenn man sonst über gar kein Wissen verfügt.

In so einem Fall sollten auch Distraktoren/Ablenker konstruiert werden in denen das fragliche Wort ebenfalls vorkommt (nicht nur in der richtigen Antwort).

Länge der Antwortmöglichkeiten:

Ein Atom ist ...
1) eine chemische Verbindung
2) ein Molekül
3) eine Emulsion
4) die kleinste Einheit, in die sich Materie mit chemischen oder mechanischen Mitteln zerlegen lässt, es besteht aus einer Atomhülle aus Elektronen und einem positiv geladenen Atomkern.

Bei diesem Beispiel wäre die Antwortmöglichkeit 4 zu wählen. Im Zweifel ist oft die längste Antwort richtig. Die Person die den Test erstellt, möchte sicher gehen, dass die richtige Antwort auch mit Sicherheit stimmt und vollständig ist. Darum kann es vorkommen, dass die richtige Antwort viel besser ausformuliert ist als die falschen. Eine Antwortalternative ist schnell falsch, eine richtige Antwort benötigt aber oft eine genaue Beschreibung. (Das Beispiel hier ist zur Veranschaulichung stark übertrieben und wird so in der Realität wohl nicht vorkommen.)

Plausibilität und Homogenität der Antwortmöglichkeiten:

Beim folgenden Beispiel handelt es sich in Bezug auf Plausibilität und Homogenität der Antwortmöglichkeiten um eine gute Frage. Alle möglichen Antwortalternativen sind plausibel und homogen (italienische Maler, wirkten zu ähnlichen Zeiten, könnten also potentiell für die Deckenmalereien verantwortlich sein). Es lassen sich keine Lösungshinweise ableiten.

Welcher Künstler ist für die Deckenmalereien in der Sixtinischen Kapelle bekannt?
a) Raffael
b) Botticelli
c) Michelangelo
d) da Vinci
e) Perugino

(c) ist richtig)

Im Gegensatz dazu steht das formal korrekte, aber leicht zu lösende Beispiel gleich unten. Die falschen Alternativen können schon mit sehr wenig Wissen leicht ausgeschlossen werden. Die Funktion des Ablenkens können die Distraktoren in diesem Fall nicht erfüllen.

Die Frage ist mit dem vorhergehenden Beispiel identisch, nur mit schlechten Antwortalternativen (Distraktoren/Ablenker

Welcher Künstler ist für die Deckenmalereien in der Sixtinischen Kapelle bekannt?
a) Einstein
b) Dali
c) Picasso
d) Warhol
e) Michelangelo

 Grammatikalisch korrekt:

Beispiel: Isabellin ist eine …
a) Legierung
b) Farbstoff
c) Säure
d) Oxidationsmittel
e) Tensid

(a) ist richtig)

Die Antworten müssen grammatikalisch zur Fragen passen. Grammatikalisch nicht passende Antworten können sofort ausgeschlossen werden. Im Beispiel oben passen nur Legierung und Säure zu „ist eine“. Die anderen drei Antwortmöglichkeiten können leicht ausgeschlossen werden.

Der schlimmste Fall wäre allerdings, wenn die richtige Antwort grammatikalisch nicht zur Frage passen würde. Studierende die die richtige Antwort zwar wüssten, könnten dadurch so verunsichert werden, dass sie sich nicht mehr trauen diese anzukreuzen.

 Absolut Aussagen:

Beispiel: Welche Aussagen zum subjektiven Wohlbefinden sind richtig?
a) Mit steigendem Einkommen sinkt immer das subjektive Wohlbefinden.
b) Verheiratete geben an, glücklicher zu sein als Unverheiratete.
c) Wenn das Einkommen steigt, steigt das subjektive Wohlbefinden zumeist nicht mit an.
d) Der Familienstand hat nie Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden.
e) Mit steigendem Einkommen steigt immer auch das subjektive Wohlbefinden.

(b) und c) sind richtig)

6. Technische Umsetzung von MC-Prüfungen mit Moodle

Zur technischen Umsetzung von MC-Prüfungen mit Moodle finden sich auf den Seiten Offline-Test Multiple-Choice-Prüfungen mit Moodle und auf der Website des ZID zum E-Learning detaillierte Informationen, Anleitungen sowie ein Skriptum und es werden auch Schulungen angeboten.

Ebenfalls auf dieser Seite finden sich im Skriptum zur Schulung Multiple-Choice-Prüfungen: Technische Umsetzung mit Moodle XX Informationen zur statistischen Auswertung der MC-Tests (ab Seite 57 - Punkt 9 - Statistiken). Moodle liefert dabei automatisch einige interessante und hilfreiche statistische Auswertungen, wie zum Beispiel den Leichtigkeitsindex (wie viel % der Studierenden hatten eine Frage richtig) oder den Discrimination Index (als Maß dafür, wie gut eine Frage die besseren TeilnehmerInnen von den schlechteren differenziert – auch als „Trennschärfe“ bekannt). Die statistischen Kennwerte sind hilfreich, um die Qualität der Prüfungsfragen für künftige Prüfungen zu verbessern oder schlecht funktionierende Prüfungsfragen zu erkennen und gegebenenfalls zu überarbeiten.

Auf der Offline-Test Seite ist zudem noch ein kurzer und hilfreicher Leitfaden zur erstmaligen Durchführung von Multiple-Choice-Prüfungen zu finden.

7. Checkliste für Multiple-Choice-Prüfungen

Vorbereitung von MC-Prüfungen

  • Die Beurteilungskriterien und Beurteilungsmaßstäbe sowie die Art der Leistungskontrolle werden schon vor Beginn der Lehrveranstaltung im Vorlesungsverzeichnis bekannt gegeben.
  • Die Studierenden werden über die Prüfungsanforderungen sowie etwaige erlaubte Hilfsmittel und Dauer der Prüfung im Vorfeld informiert (Merkblatt o.Ä.). Mögliche Beispiele von Prüfungsaufgaben und Kriterien für die Beurteilung (sind Teilpunkte möglich usw.) werden den Studierenden zur Verfügung gestellt.
  • Das Recht auf abweichende Prüfungsmethoden für Studierende mit länger dauernden Beeinträchtigungen wird berücksichtigt.
  • Mit der Konstruktion der MC-Fragen wird früh genug begonnen, damit die Prüfungsfragen ohne Zeitdruck entstehen und gegebenenfalls von ExpertInnen/KollegInnen gegengelesen werden können (MC-Fragen am besten kontinuierlich im Laufe des Semesters entwickeln bzw. bereits vorhandene Fragen kontrollieren und gegebenenfalls überarbeiten).
  • Die Studienziele sind den Lehrenden sowie den Studierenden bekannt und die MC-Fragen sind studienzielorientiert konstruiert.
  • Die gewählten MC-Fragen decken inhaltlich alle Studienziele ab.
  • Die MC-Prüfung ist in der zur Verfügung stehenden Zeit bearbeitbar und das Anspruchsniveau der Prüfung ist angemessen (gemessen an den Studienzielen).
  • Die MC-Fragen sind präzise, eindeutig und leicht verständlich formuliert (für Studierende mit anderer Erstsprache stellen MC-Prüfungen beispielsweise eine besondere Hürde dar).
  • Es wird nach studienzielorientierten und relevanten Inhalten des Faches gefragt. Fragen nach Spitzfindigkeiten und wenig relevanten Aufzählungen, die sich zur Konstruktion von MC-Fragen anbieten, werden vermieden.
  • Es steht ein ausreichend großer Fragenpool zur Verfügung, um eine MC-Prüfung zusammenzustellen.
  • Die MC-Fragen sind, wenn möglich, positiv formuliert. Allfällige Negationen sind gut sichtbar hervorgehoben (fett gedruckt, unterstrichen, …). Doppelte Verneinungen bei der Konstruktion der MC-Fragen werden vermieden.
  • Die Antwortmöglichkeiten passen grammatikalisch zur Frage und die Antwortmöglichkeiten sind voneinander unabhängig (z.B. sie schließen sich nicht gegenseitig aus).
  • Versteckte Lösungshinweise werden vermieden (z.B. zentrale Worte die nur in der Frage und der richtigen Antwort vorkommen; absolute Aussagen wie „immer“, „nie“, die auf eine falsche Antwort hindeuten, …).
  • Auf dem Deckblatt bzw. dem Antwortbogen sind alle nötigen Informationen angeführt (Korrekturmöglichkeiten, Ausfüllhilfen, Notenschlüssel …). Siehe auch „Deckblatt für schriftliche Prüfungen“ auf der Website Studienpräses ).
  • Die Gewichtung der einzelnen Fragen ist in Relation zur Gesamtprüfung angegeben (maximale Punktezahl für die Aufgabe).
  • Die Positionen der Antwortalternativen sind zufällig variiert.
  • Die Räumlichkeiten gewährleisten eine ordnungsgemäße Durchführung der Prüfung und bieten den Studierenden geeignete Arbeitsplätze.

Durchführung von MC-Prüfungen

  • Die Studierenden werden vor jeder Prüfung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei Feststellung einer erschlichenen Leistung die Prüfung als geschummelt gewertet wird und als Antritt zählt (genaue Vorgangsweise siehe (genaue Vorgangsweise siehe Website des Büro Studienpräses ).
  • Für eine fachkundige Prüfungsaufsicht (LehrveranstaltungsleiterInnen, StudienassistentInnen …) ist gesorgt. Die Aufsichtspersonen sind auf die spezifischen Fragen und Probleme, die bei MC-Prüfungen auftreten können, eingeschult. Es ist dafür gesorgt, dass sich alle Aufsichtspersonen gleich verhalten. Weiters ist vorgesorgt, dass bei unvorhergesehenen Ereignissen alle Studierenden die gleichen Informationen erhalten (z.B. wenn die Prüfung in verschiedenen Räumen gleichzeitig stattfindet).
  • Die Identität der Studierenden wird überprüft (Lichtbildausweis der Studierenden).

Beurteilung von MC Prüfungen

  • Die Beurteilungskriterien und die Beurteilungsmaßstäbe und somit auch der Notenschlüssel, wurden im Vorhinein festlegt.
  • Es ist festgelegt, wie bei außergewöhnlichen Ereignissen bei der Benotung vorgegangen wird (z.B. wenn eine MC-Frage im Nachhinein gestrichen werden muss).
  • Die einzelnen MC-Fragen werden auf Basis der Ergebnisse der Prüfung überprüft und gegebenenfalls überarbeitet.
  • Korrekturfristen werden eingehalten (nähere Informationen siehe Handbuch für Lehrende).

Informationen zu studienrechtlichen/administrativen Aspekten (z.B. Prüfungsaufsicht, Einsicht, Fristen) finden sich im Handbuch für Lehrende sowie auf der Website des Studienpräses (Checklisten zum Prüfen, mit wichtigen rechtlichen Punkten, befinden sich im internen Bereich unter „Informationen für Lehrende“). Informationen zum Recht auf eine abweichende Prüfungsmethode finden sich unter Prüfungen auf der Website http://barrierefreielehre.univie.ac.at.

Quellen:

[1] Kubinger, Klaus. D. Psychologische Diagnostik: Theorie und Praxis psychologischen Diagnostizierens. Göttingen: Hogrefe, 2009.

[2] Universität Zürich. Hochschuldidaktik A – Z –  Multiple Choice Prüfungen. http://www.hochschuldidaktik.uzh.ch/dam/jcr:ffffffff-9a08-8cca-0000-00002cfe461f/A_Z_Multiple-Choice.pdf  [Letzter Zugriff: 22.10.2019].

[3] Haladyna, Thomas M., Steven M. Downing, und Michael C. Rodriguez, M. C. “A Review of Multiple-Choice Item-Writing Guidelines for Classroom Assessment”. Applied Measurement in Education 15, (2002): 309-334.

[4] Millman, Jason, Carol H. Bishop, und Robert Ebel. “An Analysis of Test-Wiseness“. Educational and Psychological Measurement 25, (1965), 707.

Empfohlene Zitierweise

Center for Teaching and Learning: Multiple-Choice-Prüfungen. Infopool besser lehren. Universität Wien, November 2017. [https://infopool.univie.ac.at/startseite/pruefen-beurteilen/multiple-choice-pruefungen/]

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